ErzieherIn.de
mehrere Kinder

Wie Corona (Erziehungs)Partnerschaft gefährdet

Bruno Capra

20.04.2020 | Fachkommentar Kommentare (0)

Mein dritter offener Brief. An die Politik, an die Eltern und an die Kolleg*innen

Schon zum Beginn des Lockdowns wurde öffentlich thematisiert, wie sehr manche Beziehungen durch die aktuelle Krise belastet werden. Über eine spezielle Gattung von Beziehungen wurde nicht berichtet: Die, zwischen Eltern und sozialpädagogischen Fachkräften.

„Erziehungspartnerschaft“ wird das in der Branche genannt. Einem großen Teil der Öffentlichkeit wahrscheinlich unbekannt und dennoch grundlegend für die Entwicklung jedes Kindes, das sich in der institutionellen Betreuung befindet.
Eine Beziehung, die auf Kommunikation basiert, auf gegenseitigem Respekt und Wertschätzung, auf Vertrauen und Kooperation. Eine Beziehung, die bereits in der Vergangenheit von unbedachten politischen Entscheidungen belastet wurde und gerade extrem in Gefahr gerät.

Jetzt müssen mehr denn je die Interessen zweier Gruppen in Einklang gebracht werden. Und es sind in beiden Fällen Interessen existenzieller Natur.
Auf der einen Seite Eltern, die um ihr Einkommen bangen, die all den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, nicht mehr gerecht werden können und die sich um die Entwicklung ihrer Kinder sorgen.  Auf der anderen Seite stehen die Pädagog*innen, die Angst um ihre Gesundheit und die ihrer Angehörigen haben.
Zur Entspannung dieses Interessenkonfliktes trägt die Politik gerade – mir sei das radikale Urteil gestattet – herzlich wenig bei.

Undurchsichtige, unpraktikable, unverbindliche „Empfehlungen“ werden erarbeitet, die dann durch den föderalistischen Häcksler gejagt werden, was die Irritation auf beiden Seiten noch größer macht. Arbeitsminister Heil verkündet „Einheitlichen Arbeitsschutz“ (1). Wenn ich auf die Maßnahmen schaue, kann ich mir als Erzieher ein Lächeln nicht verkneifen. Lobenswert finde ich den Vorstoß von Familienministerin Giffey (2). Sie bietet eine wesentlich breitere Perspektive.
Das Management bereit mir allerdings Kopfzerbrechen: Wäre es nicht angebracht, vor der Aufnahme der Gespräche eine Bestandaufnahme der vorhandenen Ressourcen (pro Einrichtung!) durchzuführen?  Nur zur Erinnerung: Die Kita Landschaft ist so bunt wie manche Gruppenräume nach einer Geburtstagparty! Unpraktikable Lösungen dafür liefert bereits das Arbeitsministerium!

Deshalb erneut mein Aufruf an alle Verantwortlichen: Redet und entscheidet nicht über die KiTas, sondern sprecht mit den Fachkräften in den KiTas. Lasst uns miteinander reden! Lasst uns schauen, wie es in den Kitas wirklich aussieht und wie wir möglichst schnell aus der aktuellen Situation rauskommen können.
Es geht um die Gesundheit, es geht um die Kinder und es geht um Beziehungen.

Es wird eine Zeit nach Corona geben. Wie konstruktiv diese Zeit sein wird, hängt auch davon ab, welche Narben Corona hinterlassen wird. 

(1)   https://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/einheitlicher-arbeitsschutz-gegen-coronavirus.html

(2)   https://www.facebook.com/bmfsfj/posts/1586279894855834:0

Ihre Meinung ist gefragt!

Kommentar schreiben




Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.





Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.

ErzieherIn.de wird gefördert von:

Seit über 80 Jahren ist Wehrfritz Komplettausstatter für Krippen und Kindergärten. Das Sortiment umfasst innovative Möbel, Raumkonzepte, Außenspielgeräte, ausgewählte Spiel- und Lernmaterialien.
www.wehrfritz.de

Sponsor werden

Stellenmarkt

30.09.2020 Erzieher (w/m/d) für Krisenwohngruppe, Berlin
Bürgermeister Reuter Soziale Dienste gGmbH
30.09.2020 Erzieher (w/m/d) für stationäre Einrichtung für Jugendliche, Berlin
Paul Gerhardt Werk
30.09.2020 Erzieher bzw. Sozialpädagogen (w/m/d) für Kindertagesstätten, München
BRK-Kreisverband München
weitere Stellen

Newsletter für Fachkräfte

Alle zwei Monate kostenlose Infos jetzt abonnieren.

Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Claudia Nürnberg, Maria Schmidt: Der Erzieherinnenberuf auf dem Weg zur Profession. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2018. 727 Seiten. ISBN 978-3-8474-2057-6.
Rezension lesen   Buch bestellen

Buchcover

Annett Maiwald: Erziehungsarbeit. Springer VS (Wiesbaden) 2018. 897 Seiten. ISBN 978-3-658-21574-3.
Rezension lesen   Buch bestellen

weitere Rezensionen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Feed Icon RSS-Feed abonnieren


Feed Icon Folgen Sie uns auf Facebook

Nutzen Sie auch die Angebote unseres Herausgebers socialnet: