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UNICEF zum Weltkindertag 2020: Kinderfreundlichkeit stärkt Kommunen

21.09.2020 Kommentare (0)

Deutsche Städte und Gemeinden räumen Kindern und ihren Rechten einen hohen Stellenwert ein. Mit Maßnahmen für mehr Kinderfreundlichkeit verbinden sie deutliche Vorteile auch für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei Fragen, die sie betreffen, bleibt aber weiterhin eine Herausforderung für die Kommunen. Zu diesen Ergebnissen kommen UNICEF und die IW Consult GmbH (IW Consult) in einer aktuellen Umfrage unter Städten und Gemeinden.

Immer mehr Kinder in Deutschland wachsen in städtischen Ballungsräumen auf, während die Abwanderung junger Menschen aus Kommunen in ländlichen Regionen weiterhin anhält. Städte und Gemeinden sind besonders gefordert, Lebensräume zu schaffen, in denen alle Kinder gesund und sicher aufwachsen, gefördert werden und sich am gesellschaftlichen und politischen Leben beteiligen können. Wenn Kommunen die Bedürfnisse und Rechte von Kindern wahrnehmen und verwirklichen, stärkt dies das Wachstum und die Zukunftsfähigkeit der Region.

So bestätigten drei von vier der befragten deutschen Kommunen im Rahmen der Studie, dass die Umsetzung kinderfreundlicher Maßnahmen mit spürbaren Vorteilen verbunden ist. 86 Prozent der Kommunen geben an, dass der Zuzug von jüngeren Personen bzw. jungen Familien auf die Verwirklichung der Kinderrechte vor Ort zurückzuführen ist. 70 Prozent sehen positive Auswirkungen auf die Entwicklung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

Die Studie „Kinderrechte in Kommunen“ beleuchtet, welche Maßnahmen 123 große, mittelgroße und kleine Kommunen in Deutschland treffen, um kinderfreundlicher zu werden und welche Herausforderungen und Chancen sie bei der Verwirklichung der Kinderrechte sehen. In den untersuchten Städten und Gemeinden leben insgesamt 11,7 Millionen Menschen, darunter über 1,8 Millionen Kinder.

Die nicht-repräsentative Umfrage wurde von der IW Consult im Auftrag von UNICEF Deutschland durchgeführt. Unterstützt wurde das Projekt durch den Deutschen Städtetag, den Deutschen Städte- und Gemeindebund, den Deutschen Landkreistag, den Verein Kinderfreundliche Kommunen sowie das Deutsche Kinderhilfswerk.

Weitere Ergebnisse der Umfrage: Alle befragten Kommunen räumen den Kinderrechten einen sehr hohen Stellenwert ein. Fast 45 Prozent der Kommunen setzen bereits verhältnismäßig viele Maßnahmen zur Verwirklichung der Kinderrechte um. Nur gut 20 Prozent ergreifen weniger Maßnahmen als der Durchschnitt. Mehr als die Hälfte der befragten Kommunen (51 Prozent) haben bereits einen Aktionsplan oder ein konkretes Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen entwickelt. Nur 33 Prozent davon haben Kinder und Jugendliche bei der Erarbeitung einbezogen. Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen hat für 93 Prozent der Umfrageteilnehmer eine große Bedeutung. Zwischen 57 und 61 Prozent der Kommunen lassen Kinder und Jugendliche in den Bereichen Spiel und Freizeit, Schulen und Jugendeinrichtungen sowie Parks und Grünflächen punktuell oder projektbezogen an Planungsprozessen teilhaben. Die Werte für die systematische Einbeziehung junger Menschen fallen demgegenüber allerdings deutlich geringer aus. Neben der Finanzierung und der Verankerung der Kinderrechte in der Verwaltung wird die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen von den befragten Kommunen als eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung der Kinderrechte genannt. „Die Ergebnisse unserer Umfrage sind für mich ein hoffnungsvolles Signal, dass sich viele Kommunen ihrer großen Verantwortung für Kinder und der Bedeutung der Verwirklichung der Kinderrechte bewusst sind“, so Georg Graf Waldersee, Vorstandsvorsitzender von UNICEF Deutschland. „Spätestens seit der Corona-Pandemie muss klar sein: Kinder und Jugendliche gehören ins Zentrum einer nachhaltigen kommunalen Entwicklung. Denn Investitionen in Kinder und Jugendliche sind Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Kommunen.“

„Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines zunehmenden Fachkräftemangels kommt es mehr denn je darauf an, allen Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen und für Bedingungen zu sorgen, unter denen sie ihre Fähigkeiten entfalten können,“ erklärt Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. „Daher ist folgerichtig, dass ein Großteil der befragten Kommunen erkannt hat, dass das Wohl junger Menschen entscheidend für die Zukunftsfähigkeit ihrer Region ist. In ihren Bemühungen Kinder und ihre Rechte zu stärken, müssen Kommunen unterstützt werden – wozu auch die Wirtschaft einen zentralen Beitrag leistet.“

Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, sagt für die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände: „Die Umfrage zeigt: Viele Kommunen wollen Kinderrechte Schritt für Schritt noch besser umsetzen. Die Städte, Kreise und Gemeinden wissen: Viele Kinder und Jugendliche mischen engagiert mit, wenn es um die Zukunft ihrer Heimat geht. Sie debattieren in Kinder- und Jugendparlamenten, beteiligen sich an Umfragen oder in Initiativen. Wo dieses Engagement in kommunalen Entscheidungsprozessen fest verankert ist, wird der Wohnort für Familien attraktiver. Und es geht nicht nur um die Themen Kita, Schule oder Freizeit. Auch zu Zukunftsfragen wie Wohnen, Verkehr, Klimaschutz oder Digitalisierung sollten Kinder gehört werden.“

Für mehr Kinderfreundlichkeit müssen Kommunen die systematische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen stärken. Um die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, sollten alle Kommunen einen konkreten Aktionsplan entwickeln. Kinder und Jugendliche selbst sowie Akteure aus der Zivilgesellschaft, lokalen Wirtschaft und den Einrichtungen der Wohlfahrtspflege sollten an der Erarbeitung, der Umsetzung und dem Monitoring beteiligt werden. Alle Kommunen sollten ausgewiesene und qualifizierte Ansprechpartnerinnen bzw. Ansprechpartner für die Kinder und Jugendlichen haben, um eine direkte Verbindung zwischen der jungen Bevölkerung und der Verwaltung aufzubauen. Kinder und Familien sollten im Zentrum einer nachhaltigen kommunalen Entwicklung stehen. Die Verwirklichung der Kinderrechte ist eine Chance und zugleich die Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Städten und Gemeinden.

Die Erfüllung der Rechte von Kindern und Jugendlichen ist eine Pflichtaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen. Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, brauchen Kommunen in Deutschland Unterstützung von Bund und Ländern, die es ihnen erleichtert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. UNICEF Deutschland fordert deshalb die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz sowie eine verlässliche Finanzierung der Maßnahmen, die zur Umsetzung der Kinderrechte in Kommunen beitragen.

Quelle: Pressemitteilung von UNICEF Deutschland vom 17. September 2020

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