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Kinderarmut in Deutschland

17.01.2014 Kommentare (0)

Ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland fordert eine umfassende Veränderung politischer Rahmenbedingungen, um die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes. Als Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut werden vor allem gefordert, einkommensschwache Familien und deren Kinder mit Lehrmittelfreiheit (97 Prozent), kostenfreiem Essen in Schule und Kita (86 Prozent) und auch kostenfreien Beteiligungsmöglichkeiten an Bildung, Kultur und Sport (81 Prozent) sowie kostenlosen Ganztagsbetreuungen in Schulen und Kitas (84 Prozent) zu unterstützen. In der Bevölkerung werden solche Maßnahmen der Kostenbefreiung als außerordentlich wichtig eingeschätzt. Bemerkenswert ist, dass Männer wie Frauen nahezu in gleichem Maße die kostenlose Ganztagsbetreuung fordern, während unter Frauen die Zugänge zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen deutlich wichtiger eingeschätzt werden. Sehr stark verbreitet ist auch die Forderung, in Schulen und Kitas mehr Fachkräfte und Sozialarbeiter (94 Prozent) einzusetzen, die sich um benachteiligte Kinder kümmern. Von Bevölkerungsmehrheiten werden außerdem eine Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder (70 Prozent) und Erhöhungen des staatlichen Kindergeldes (62 Prozent) als wirksame Unterstützungen bewertet.
Drei von vier der Befragten (72 Prozent) sind der Ansicht, staatliche und gesellschaftliche Verantwortungsträger würden „eher wenig“ oder „sehr wenig“ tun, um Kinderarmut wirkungsvoll entgegenzutreten. Trotz differenzierter Sicht der Anhänger der verschiedenen Parteien kommen jeweils große Mehrheiten der politischen Lager zur Aussage, Staat und Gesellschaft engagierten sich zu wenig gegen Kinderarmut. Hier schwankt die Zustimmungsrate zwischen 89 Prozent bzw. 80 Prozent bei den Linken- und SPD-Anhängern und 78 Prozent bzw. 60 Prozent bei den Grünen- und Unions-Anhängern.
Auch bei der Frage der Finanzierung der notwendigen Maßnahmen gibt es eine große Übereinstimmung: 66 Prozent der Bundesbürger wären bereit, mehr Steuern zu bezahlen, wenn damit das Problem der Kinderarmut in Deutschland wirksam bekämpft würde. Gleichlautende Bekundungen gehen quer durch die politischen Lager. Dabei variiert die Zustimmung zwischen 87 Prozent bzw. 73 Prozent bei den Grünen- und SPD-Anhängern und 67 Prozent bzw. 60 Prozent bei den Unions- und Linken-Anhängern.
„Diese Zahlen lassen in ihrer Deutlichkeit keinen Spielraum für Interpretationen, die Menschen in Deutschland sehen Staat und Gesellschaft ganz klar in der Pflicht, entschiedener als bisher die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. Nach Berechnungen des Deutschen Kinderhilfswerkes sind derzeit rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche von Armut betroffen. Deshalb brauchen wir ein Nationales Programm zur Bekämpfung der Kinderarmut. Kinderarmut kann nur effizient und nachhaltig bekämpft werden, wenn alle Maßnahmen zu diesem Zweck unter einem Gesamtkonzept verknüpft und mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik sind ebenso zu berücksichtigen, wie Familien- und Bildungspolitik, Gesundheits- und Sozialpolitik sowie Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaupolitik. Ein besonderer Fokus ist auf den Bildungsbereich zu legen. An dieser Stelle braucht es verstärkte politische Anstrengungen , allen Kindern gleiche Chancen für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn zu ermöglichen sowie ein nach oben durchlässigeres Schulsystem, das alle Kinder und Jugendlichen individuell entsprechend ihren Fähigkeiten optimal fördert. Die Reformanstrengungen der Bundesländer im Bildungsbereich müssen fortgesetzt werden, denn der Bildungsaufstieg ist der nachhaltigste Weg aus der Armut“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.
„Der Kinderzuschlag ist ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Kinderarmut, muss allerdings reformiert werden und in eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung münden. Wer Vollzeit arbeitet muss in der Lage sein, den Familienunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten. Deshalb brauchen wir armutsfeste Löhne in Deutschland“, so Krüger weiter. Weitere Maßnahmen sind aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose, spezielle Unterstützung für Alleinerziehende sowie eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus. „Das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder und Jugendliche aus finanziell benachteiligten Familien ist und bleibt eine soziale Mogelpackung und bürokratische Stümperei. Auch die zu Beginn des letzten Jahres beschlossenen Änderungen am Bildungs- und Teilhabepaket haben lediglich die schlimmsten bürokratischen Auswüchse beseitigt. Aus Sicht des Deut schen Kinderhilfswerkes muss die Bundesregierung mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen armutsfeste Regelsätze für Kinder festlegen. Außerdem müssen die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe gestärkt werden“, so Krüger abschließend.
Der Erwerbsstatus von Eltern sowie politische Rahmenbedingungen werden von der Bevölkerung als die wesentlichen Einflussfaktoren auf das Wohl von Kindern in Deutschland eingeschätzt. Niedrige Einkommen durch prekäre Arbeitsverhältnisse (85 Prozent) sowie die besondere Situation von Alleinerziehenden (75 Prozent) sind laut Umfrage die Hauptgründe für fehlendes Geld in Familien und damit auch die wichtigsten Auslöser für Kinderarmut in Deutschland. Die steigende Verantwortung von Staat und Gesellschaft ergibt sich nicht zuletzt aus der Erosion des familialen Zusammenhalts, den viele beklagen (61 Prozent). Dass vor allem ältere Befragte auch eine Mitschuld von Eltern in einkommensschwachen Familien konstatieren, da sie sich nicht ausreichend um das Wohl ihrer Kinder kümmern, zeigt einen Bruch zwischen den Generationen.
Für die repräsentative Umfrage zur Kinderarmut in Deutschland wurden von infratest dimap im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes deutschlandweit 1.008 Wahlberechtigte ab 18 Jahren mittels computergestützter Telefoninterviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 (bei einem Anteilswert von 5 Prozent) und 3,1 Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 50 Prozent).

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks vom 14.1.2014

Als klaren Auftrag der Bevölkerung an die Bundesregierung, das Thema Kinderarmut entschlossen anzupacken und das Regierungstabu der Steuererhöhungen zu beseitigen, bewertet der Paritätische Wohlfahrtsverband die am 14. Januar vorgestellte Studie des Deutschen Kinderhilfswerks. Aus Sicht des Paritätischen muss dabei die Reform der Hartz IV-Leistungen für Kinder und Jugendliche Priorität haben. Der Verband spricht sich für die Erhöhung der Regelsätze sowie eine durchgreifende Reform des Bildungs- und Teilhabepaketes aus.
„Der Koalitionsvertrag zeigt in Sachen Kinderarmut sträfliche Defizite. Mit der aktuellen Umfrage sind jedoch sowohl die Bildungs- und Teilhabechancen armer Kinder in Deutschland als auch das Thema Steuererhöhungen zurück auf der politischen Agenda“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen. Angesichts des überwältigenden Rückenwindes in der Bevölkerung sei es völlig unverständlich, dass die Bundesregierung das Problem der Kinderarmut im Koalitionsvertrag komplett ausgeklammert habe. „Die Bundesregierung kann sich nicht einfach wegducken, sondern muss das Versäumnis des Koalitionsvertrages korrigieren und nun überzeugende Programme zur Bekämpfung der Kinderarmut auflegen“, fordert Schneider. Der Paritätische sagt Familienministerin Schwesig und Arbeitsministerin Nahles jegliche Unterstützung zu, wenn es darum geht, in der Regierung diese Thematik zu bearbeit en und Lösungen durchzusetzen.
Neben der besseren Unterstützung von Alleinerziehenden schlägt der Verband eine Reform des Kinderzuschlags sowie der Hartz-IV-Leistungen für Kinder und Jugendliche vor: „Wir brauchen eine kräftige Erhöhung der Kinderregelsätze, eine echte schulische Bildungsoffensive sowie einen Rechtsanspruch für einkommensschwache Kinder auf Teilhabe – vom Sportverein über die Musikschule bis zur Ferienfreizeit mit dem Jugendclub.“ Nach Berechnungen des Paritätischen wären für eine bedarfsangemessene Erhöhung der Regelsätze sowie weitere notwendige Maßnahmen zur verbesserten Teilhabe von Kinder und Jugendlichen jährlich rund zehn Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen notwendig.
Nach der repräsentativen Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks sind 72 Prozent der Bundesbürger der Meinung, dass Politik wenig tue, um Kinderarmut wirkungsvoll entgegenzutreten. 66 Prozent der Bevölkerung wären bereit, mehr Steuern zu bezahlen, wenn dafür wirksam gegen Kinderarmut vorgegangen würde.

Quelle: OTS: Paritätischer Wohlfahrtsverband vom 14.1.2014

 

 

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