ErzieherIn.de
mehrere Kinder

Hilferuf der PARIKita Telezwerge

Maria Keller und Daniela Gawlik

02.02.2021 | Fachkommentar Kommentare (1)

Sehr geehrte Damen und Herren, 

in unserer täglichen Arbeit haben wir es uns seit Jahren zur Aufgabe gemacht, die uns anvertrauten Kinder darin zu ermutigen, eigene Bedürfnisse wahr und ernst zu nehmen, diese zu benennen und vor allem dafür einzustehen. Um als gutes Vorbild voran zu gehen, sehen wir es als unabdingbar, unsere derzeitige Situation ernst zu nehmen und selbst aktiv zu werden. Wir können und wollen politisch und wirtschaftlich motivierte Phrasen nicht mehr stillschweigend hinnehmen.

Wir sind uns mehr als bewusst, dass wir mit der PARIKita einen sehr verantwortungsbewussten und mitarbeiterorientierten Träger hinter uns haben. Zudem ist für uns als betriebsnahe Kindertagesstätte der ProSiebenSat.1 Media SE deutlich spürbar, dass unsere Rahmenbedingungen im Vergleich zu anderen Einrichtungen im positiven Sinne stark vom Durchschnitt abweichen. Nichts desto trotz kommen auch wir vermehrt an unsere Grenzen.

Fakt ist, dass in den Medien von geschlossenen Kitas die Rede ist. In unserer Einrichtung werden derzeit aber von 55 Kindern bis zu 75% in den Notgruppen betreut! 

Unser pädagogisches Arbeitsfeld ermöglicht es uns nicht, Abstand zu halten. Unsere Klientel ist nicht in der Lage sich an alle notwendigen Hygienemaßnahmen zu halten. Unsere Kinder bekommen täglich bis zu 8 Stunden Nähe, Zuwendung und engen Körperkontakt. Sie niesen uns an, werden gefüttert und gewickelt, schlafen in unseren Armen und weinen an unseren Schultern. Fraglich ist, wie hoch der Schutz in diesen Momenten selbst mit einer FFP2 Maske ist. Erschwerend kommt hinzu, dass beim Tragen einer solchen Maske eine Pause von 30 Minuten nach spätestens 75 Minuten Tragezeit notwendig ist um die eigene Gesundheit nicht zu gefährden. Diese Pausen sind in der praktischen Arbeit nicht umsetzbar. Dazu kommt, dass Kinder und Personal sich durchgehend in kalten Räumen aufhalten müssen. Es ist wohl nachvollziehbar, dass das stündliche Lüften von mindestens 10 Minuten bei Minustemperaturen sowohl für Erwachsene, wie auch vor allem die Kinder belastend ist und im schlimmsten Fall zu Erkältungssymptomen führt.

Die psychischen Gefährdungsbeurteilungen unserer MitarbeiterInnen fällt erstmals erschreckend und alarmierend aus. In Bezug auf die körperliche Gesundheit, unabhängig vom belastenden Tragen der Masken, war die Vorstellung recht schnell geimpft zu werden ein Lichtblick für viele MitarbeiterInnen. Als logische Schlussfolgerung zu der Ansteckungsgefahr und unserem beruflichen Alltag nahmen viele Teammitglieder an, zeitgleich oder kurz nach den Pflegekräften geimpft werden zu können. Diese Vorstellung hat sich nicht bewahrheitet, was die Unsicherheit im Team weiter verschärft. Nicht nur gegenüber der eigenen Person, sondern auch gegenüber dem privaten Umfeld. Die Angst geliebte Personen durch das Ausüben des eigenen Berufs zu gefährden wächst ins Unermessliche. Kann es die einzige Option sein, uns zu schützen, indem wir uns krankschreiben lassen? Diese Gedanken spiegeln in keiner Weise wieder, dass die meisten Pädagogen ihren Job nicht nur als Beruf, sondern als Berufung sehen. Wir fühlen uns machtlos, da unsere Möglichkeiten zum Selbstschutz so langsam ausgeschöpft sind. Das können wir so nicht hinnehmen.

Das brauchen wir:

  • Nachvollziehbare Richtlinien und Vorschriften in den Rahmenhygieneplänen 

(festgesetzte Gruppengröße, klare Regelungen zu Öffnungszeiten und die Gestaltung von Randzeiten, verbindliche Richtlinien zum Personaleinsatz, Umgang mit Mitarbeitern der Risikogruppe)

  • Zeitnahe Impfmöglichkeit
  • Wöchentliche Schnelltests (siehe Beispiel Potsdam)
  • freie FFP2 Masken, sowie medizinische Masken
  • Luftmessgeräte
  • Ein eindeutiges Statement für unsere Berufsgruppe in der Öffentlichkeit
  • Transparenz hinsichtlich der reellen Situationen 

(Kitas sind nicht geschlossen – Notbetreuungsbelegung ist oft erschreckend hoch)

Insbesondere unser Elternbeirat, erkennt die Herausforderungen und sieht die Handlungsnotwendigkeit. Sie werden aktiv, scheuen selbst finanzielle Unterstützungen nicht und werden nicht müde alle Hebel in Bewegung zu setzen, dass unsere pädagogische Arbeit in einem geschützten Rahmen stattfinden kann. Das ist alles andere als selbstverständlich und definitiv nicht ihre Aufgabe. 

Unser langfristiges Ziel ist es, qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit mit allen Kindern leisten zu können. Und dies mit gesundem, motivierten und zuversichtlichem Personal.

Unsere Sorge ist in diesem Bezug, dass wenn der Berufsstand der pädagogischen Fach- und Ergänzungskräfte weiterhin in der Öffentlichkeit, Gesellschaft und Politik vernachlässigt und nicht gesehen wird (noch weitaus mehr, als es bis dato bereits war) der Fachkräftemangel in naher Zukunft noch weitaus drastischer wird. Wir stellen hierbei in Frage, ob junge Menschen sich nach diesem Jahr noch für diese Berufsgruppe entscheiden werden, oder ob sie aus logischer Schlussfolgerung einen anderen Werdegang wählen. Des Weiteren sorgen wir uns um bereits qualifiziertes Fachpersonal, welches nach den Strapazen der Pandemie und der damit verbundenen psychischen und physischen Belastungen ihrer eigentlichen Berufung den Rücken kehren – Schließlich werden Pädagogen in diesem Jahr ganz bewusst einer massiven Gefahr ausgesetzt.  

Wir brauchen keinen Applaus, was wir brauchen ist beherztes und kompetentes Handeln und zwar schnell! 

Mit freundlichen Grüßen,

Maria Keller und Daniela Gawlik                                                                                                       

für das Team der Telezwerge Unterföhring

 

PARIKita Telezwerge
c/o ProSiebenSat.1Media SE
Gutenbergstr. 3
85774 Unterföhring

Ihre Meinung ist gefragt!

Diskutieren Sie über diesen Beitrag.

Kommentare (1)

Stellungnahme des Trägers Gemeinnützige PARITÄTISCHE Kindertagesbetreuung GmbH Nordbayern 05 Februar 2021, 12:04

Sehr geehrte Damen und Herren,
bezugnehmend auf den offenen Brief zweier Mitarbeiterinnen unserer Einrichtung Telezwerge, möchte ich als Geschäftsführer der PariKitas kurz zum Inhalt Stellung nehmen.
In unseren 58 Einrichtungen mit 3000 Betreuungsplätzen werden derzeit durchschnittlich 45 Prozent der Kinder in der Notbetreuung betreut. Deshalb kann ich den Unmut der Mitarbeiterinnen gut nachvollziehen, wenn in der Öffentlichkeit das Bild vermittelt wird, die Kitas seien geschlossen. Manche Kitas laufen quasi im Normalbetrieb, weil die Eltern derzeit selbst ihren Bedarf für die Notbetreuung anmelden können.
Auch die Sorge sich bei der Arbeit zu infizieren, ist nachvollziehbar, denn in der Kinderbetreuung ist Abstandhalten einfach nicht möglich. Deshalb haben die PariKitas einen hohen Standard beim Infektionsschutz. In allen Einrichtungen gab es auch vor Corona schon Desinfektionsmittelspender am Eingang. Bereits seit März letzten Jahres stellen wir allen Mitarbeiter*innen in unseren Einrichtungen kostenlos medizinische Masken zur Verfügung. Beim Bringen und Abholen der Kinder haben wir die Eltern und Erzieher*innen verpflichtet, FFP-2-Masken zu tragen. Während der Arbeit tragen unsere Mitarbeiter*innen medizinische Masken. Außerdem haben wir seit letzter Woche CO2-Ampeln im Einsatz. Die Kosten dafür trägt der Freistaat Bayern. Demnächst erhalten alle Erzieher*innen drei kostenlose FFP-2-Masken vom Freistaat.
Das höhere Infektionsrisiko der Mitarbeiter*innen in der Kindertagesbetreuung durch den fehlenden Abstand sollte auch bei der Impfstrategie berücksichtigt werden, insbesondere für Mitarbeiter*innen, die aufgrund von Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Kommentar schreiben




Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.





Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.

ErzieherIn.de wird gefördert von:

Seit über 80 Jahren ist Wehrfritz Komplettausstatter für Krippen und Kindergärten. Das Sortiment umfasst innovative Möbel, Raumkonzepte, Außenspielgeräte, ausgewählte Spiel- und Lernmaterialien.
www.wehrfritz.de

Sponsor werden

Stellenmarkt

23.04.2021 Leitung (w/m/d) eines Kinder- und Familienzentrums, Bremen
Kita Bremen
23.04.2021 Stellvertretende Kitaleitungen (w/m/d), Berlin
Unionhilfswerk Sozialeinrichtungen gGmbH
23.04.2021 Stellvertretende Leitung (w/m/d) eines Kinder- und Familienzentrums, Bremen
Kita Bremen
weitere Stellen

Kalender

Fernlehrgang Ernährungsbotschafter/in in der Kita
Ab sofort
online
Fernakademie für Pädagogik und Sozialberufe
auf Abruf/Inhouse

Kommende Veranstaltungen

zum KalenderVeranstaltung eintragen

Newsletter für Fachkräfte

Alle zwei Monate kostenlose Infos jetzt abonnieren.

Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Claudia Nürnberg, Maria Schmidt: Der Erzieherinnenberuf auf dem Weg zur Profession. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2018. 727 Seiten. ISBN 978-3-8474-2057-6.
Rezension lesen   Buch bestellen

Buchcover

Annett Maiwald: Erziehungsarbeit. Springer VS (Wiesbaden) 2018. 897 Seiten. ISBN 978-3-658-21574-3.
Rezension lesen   Buch bestellen

weitere Rezensionen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Feed Icon RSS-Feed abonnieren


Feed Icon Folgen Sie uns auf Facebook

Nutzen Sie auch die Angebote unseres Herausgebers socialnet: