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GEW und DKSB: Fast jedes dritte Schulkind von Armut betroffen

12.12.2013 Kommentare (0)

Schleswig-Holstein. Das Auseinanderdriften in unserer Gesellschaft zwischen Arm und Reich erreicht zunehmend die Schulen. Der Unterrichtsalltag zeigt, dass ein großer Teil der Schüler nicht mit den geforderten Materialien wie Schere, Buntstiften, Arbeitshefte und Sportzeug ausgestattet ist, weil das Familieneinkommen dafür nicht ausreicht. Der Kinderschutzbund und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft setzen sich deshalb gemeinsam für Chancengleichheit durch tatsächliche Lernmittelfreiheit – also der Streichung des § 13, Absatz 2, Satz 2 und Absatz 3, Ziffer 1 – im schleswig-holsteinischen Schulgesetz ein. Laut Schulgesetz herrscht in Schleswig-Holstein grundsätzlich Lernmittelfreiheit, mit der Einschränkung, dass für Materialien, die „vom Schüler verbraucht werden oder bei ihm verbleiben“, Kostenbeiträge erhoben werden können. Das Schulbasispaket des Bildungs- und Teilhabepaketes (BuT) sieht grundsätzlich einen Betrag von 70 Euro für das erste und 30 Euro für das zweite Schulhalbjahr vor. Tatsächlich müssen beispielsweise im ersten Schuljahr für einen Erstklässler aber Materialien im Wert von durchschnittlich 300 Euro angeschafft werden.

„Den Praxistest hat das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung nicht bestanden. Die unsozialen Folgen für Kinder, Jugendliche und Familien können wir Tag für Tag in den Schulen beobachten. Der Staat muss die Bildungsbenachteiligung ausgleichen“, waren sich Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, und Matthias Heidn, GEW-Landesvorsitzender vor der Landespressekonferenz am 5. Dezember 2013 in Kiel einig.

„Kurzfristig schlagen wir vor, den § 13 des Schulgesetzes bei der jetzigen Neufassung dahin gehend zu ändern, dass der Eigenanteil der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Satz des BuT nicht übersteigt. Mittelfristig erwarten wir, dass Chancengleichheit durch tatsächliche Lernmittelfreiheit – also der Streichung des § 13, Absatz 2, Satz 2 und Absatz 3, Ziffer 1 (SchulG) – gewährleistet wird“, so Irene Johns und Matthias Heidn weiter.

 Die Folgen im Klassenzimmer: Lehrerinnen und Lehrer berichten, dass immer mehr Kinder ihre Standardausrüstung nicht vollständig dabei haben. Ob Schere, Klebstift oder Buntstifte, „den Familien fehlt häufig schlicht das Geld, um Verbrauchsmaterial zu ersetzen“, erläutert Matthias Heidn. Zum einen ginge wertvolle Unterrichtszeit verloren, weil die Lehrkräfte die Ausrüstung auf Vollständigkeit kontrollieren müssten, und andererseits gerieten die betroffenen Kinder unter Druck, wenn wieder einmal der Klebestift wegen Geldmangels fehle, so Heidn weiter. „Es kann doch nicht sein, dass 30 Prozent der Schülerschaft unter finanziellem Druck stehen, weil die Standardausrüstung zu teuer ist“, bilanziert Irene Johns. An vielen Schulen ist es üblich, dass in den Sommerferien bereits Beträge zwischen 40 und 60 Euro auf das Klassenkonto überwiesen werden sollen, damit Arbeitshefte, Duden und Kopien schon im Vor aus bezahlt sind. Zum ersten Schultag müssen die Familien darüber hinaus Hefte, Stifte, Schere, Sportschuhe, -hemd und -hose, Tuschkasten, Schnellhefter und so weiter kaufen. „Viele Eltern sind unglücklich, weil ihnen das Geld für die Lernmittel fehlt, und am Ende fühlen sich die Kinder schuldig, weil sie Kosten verursachen. In der Schule sind die Kinder ausgegrenzt, keine gute Grundlage für einen Bildungserfolg“, erklärte Irene Johns, Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein. Rund 385.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene besuchen allgemeinbildende und berufsbildende Schulen in Schleswig-Holstein. Ihnen steht eine Zahl von 120.000 Berechtigten aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gegenüber.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein e.V. und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vom 5.12.2013

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