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GEW-Umfrage in Rheinland Pfalz: Arbeitszufriedenheit in Kitas sinkt

02.03.2014 Kommentare (2)

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat bei 50 kommunalen Personalvertretungen, die rund 1800 Beschäftigte aus 110 kommunalen Kindertagesstätten vertreten, eine Erhebung zur aktuellen Arbeitssituation vorgenommen. Die Ergebnisse werfen laut GEW weder ein gutes Licht auf die Städte und Gemeinden als Arbeitgeber, noch auf die Landesregierung. Im Einzelnen haben die Rückmeldungen folgende Ergebnisse gebracht:

Personelle Ausstattung oft unzureichend – Arbeitsbelastungen nehmen zu

Die Mehrzahl der Befragten bezeichnet die personelle Ausstattung der Kitas als nur ausreichend oder sogar als mangelhaft. Ausreichend Zeit, um die pädagogische Arbeit vor- und nachbereiten zu können, sei in fast 70% der Einrichtungen nicht vorhanden. Für Leitungstätigkeiten würden in den Stellenschlüsseln der Mehrzahl der Kindertagesstätten keine Zeitkontingente berücksichtigt. Die Arbeitsbelastung der Erziehungsfachkräfte nähme fast überall zu. Der Vorsitzende der GEW Rheinland-Pfalz, Klaus-Peter Hammer, zeigte sich "erschrocken" darüber, "dass aus so vielen Kitas eine sinkende Arbeitszufriedenheit und ein zunehmender Krankenstand gemeldet werden. Wir brauchen qualifiziert ausgebildete und gut motivierte Erziehungsfachkräfte, die ihre Arbeit gern verrichten. Wenn die Arbeitsmotivation und der Gesundheitszustand von Erziehungsfachkräften leiden, ist es an der Zeit, Alarm zu schlagen", kommentiert Hammer die Ergebnisse der Umfrage. Laut GEW rächt sich jetzt, dass der Fokus in der Kitapolitik der vergangenen Jahre fast ausschließlich darauf gerichtet gewesen ist, mit großem Tempo neue Betreuungsplätze zu schaffen. Dagegen macht die Bildungsgewerkschaft GEW seit Jahren darauf aufmerksam, dass mit dem Ausbau der Kita-Betreuung auch die Rahmenbedingungen in den Kitas, etwa die Erzieherinnen-Kind-Relation, verbessert werden muss.

GEW fordert bessere personelle Ausstattung der Kitas

"Wir brauchen dringend eine bessere personelle Ausstattung in den Kindertagesstätten. Praktisch alle Arbeitsabläufe leiden unter der Mangelsituation. Für die Aufrechterhaltung der pädagogischen Qualität ist es beispielsweise sehr wichtig, dass alle Beschäftigten ihre Vor- und Nachbereitungszeiten erhalten können. Außerdem leitet sich eine Kita nicht von selbst. Wer professionelle Arbeit verlangt, muss auch professionelle Bedingungen bieten. Dazu gehören auf jeden Fall auch angemessene Zeitkontingente für Leitungstätigkeiten. Wie soll eine Kita gut geführt werden, wenn die Leiterin gleichzeitig vielerorts faktisch mit einer vollen Stelle für die Arbeit im Gruppendienst vorgesehen ist?", fragte Hammer. "Wir sind es auch Leid, dass Landesregierung, Kreise und Städte sowie die Kommunen als Träger der Kitas sich bei diesen Fragen die Verantwortung hin und her schieben.

Wir erwarten jetzt, dass sich diese Verantwortungsträger an einen Tisch setzen und eine Lösung zur Verbesserung der Situation präsentieren", fährt der Gewerkschaftsvorsitzende fort. Diese hätten nicht nur Verpflichtungen gegenüber Eltern und Kindern, was die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Plätzen in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung angeht, sondern auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Deshalb appelliert die GEW an die Verantwortlichen, die Ergebnisse ihrer Umfrage ernst zu nehmen und umgehend aktiv zu werden.

Fachkräftemangel verschärft vielerorts die Situation

Neben unzureichender personeller Regelausstattung wirkt sich laut zwei Dritteln der befragten Personalräte auch der Fachkräftemangel zunehmend negativ auf die Arbeit in den Kindertagesstätten aus. So wird berichtet, dass teilweise keine gezielte Sprachförderung mehr stattfinden könne oder Projekte und Ausflüge nicht mehr durchgeführt werden könnten. Des Weiteren könnten etliche Bildungsangebote nicht mehr aufrechterhalten werden, die schlichte Betreuung der Kinder rücke wieder in den Vordergrund. Partiell seien Gespräche mit Eltern nicht mehr zeitnah möglich und die individuelle Förderung von Kindern komme zu kurz. Angebote am Nachmittag und Angebote für Vorschulkinder würden eingeschränkt. Erni Schaaf-Peitz, Kita-Leiterin aus Wittlich und Mitglied im Landesvorstand der GEW, schildert ein Problem, das besonders Kitas haben, die wegen des Fachkräftemangels nicht alle Stellen besetzen können: "Wenn in solchen Situationen Kolleginnen und Kollegen ausfallen, müssen Funktionsräume der Kita geschlossen und viele Kinder gemeinsam von weniger Personal betreut werden. Es befinden sich dann erheblich mehr Kinder in den geöffneten Räumen als sonst üblich. Es steigt der Lärmpegel, was zusätzlichen Stress für Erzieherinnen und Kinder bedeutet. Die Arbeit wird schwieriger, zumal die Erzieherinnen in solchen Situationen ihre Pausen oftmals nicht einhalten können und dadurch die Zeit fehlt, um vielleicht kurz abzu-schalten, mal durchzuatmen und wieder aufzutanken. Wenn Erzieherinnen über einen längeren Zeitraum so belastet werden, drohen nach meinen Erfahrungen auch diese aufgrund gesundheitlicher Probleme auszufallen."

GEW verlangt neue Personalkonzepte für Kitas

Da die Eingewöhnungsphase der ein- und zweijährigen Kinder in einer Kita sehr personalintensiv ist, führt laut GEW eine unzureichende Erzieherinnen-Kind-Relation und die geschilderten Auswirkungen des Fachkräftemangels zu Bedingungen, die nicht mehr verantwortbar sind. So berichtete ein Personalrat von einem ausgefallenen Mittagsschlafangebot für ein- und zweijährige Kinder, weil niemand zur Betreuung dieses Angebotes abgestellt werden konnte. Schaaf-Peitz und GEW-Landesvorsitzender Hammer sind sich einig, dass neben grundsätzlichen Verbesserungen der Erzieherinnen-Kind-Relation auch eine Vertretungsreserve, wie es sie zum Teil an Schulen gibt, auch für die Kindertagesstätten kurzfristig entwickelt werden müsse, um - auch trägerübergreifend - möglichst alle Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsangebote der Kindertagesstätten aufrecht zu erhalten und andererseits Kinder sowie Personal vor Gefährdungen und Überlastungen zu schützen.

GEW befürchtet zunehmende Einschränkungen der Angebote

Wenn keine personelle Verbesserung erreicht werden kann, sieht die GEW die Gefahr, den bestehenden Mangel verwalten zu müssen. So lange der Mangel andauere, sei eine Reduzierung der Angebote in den Kitas zu befürchten. Die GEW hält auch eine finanzielle Besserstellung des Erzieherinnenberufes für dringend erforderlich. "Die Arbeit der Erzieherinnen sollte uns deutlich mehr Wert sein. Würden diese besser bezahlt, brauchten wir uns keine Sorgen um genügend Bewerberinnen und Bewerber für den Erzieherberuf zu machen. Auch männliche Fachkräfte würden sich dann zunehmend ausbilden lassen", sagte Hammer. "Außerdem", fügt Erni Schaaf-Peitz hinzu, "täte es der Weiterentwicklung der Kitas gut, wenn neben den vielen Erziehungsfachkräften auch mehr Personen in den Kitas beschäftigt würden, die über einen Studienabschluss im Bereich der frühkindlichen Pädagogik verfügen." Die GEW-Vertreterin sieht in multiprofessionellen Teams in den Kitas eine gute Möglichkeit, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

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Quelle: bildungsklick

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Kommentare (2)

Heidi Keller 10 März 2014, 11:46

Kommentar zum Kommentar
Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit persönliche Meinungen, Vorlieben, Abneigungen Einzug in politische Handlungsfelder finden und dann auch noch mit erheblichem finanziellen Aufwand versuchsweise umgesetzt werden. „Männer in die Kita“ ist hier ein gutes Beispiel. Es gibt nicht einen einzigen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Entwicklung, Erziehung und Bildung von Kindern „einseitig“ verläuft, weil Frauen das frühe Erziehungs - und Bildungssystem dominieren. Wie sollen denn diese einseitigen Denkprozesse aussehen? Es gibt nachweisbare Geschlechtsunterschiede in den kognitiven Stilen von Mädchen und Jungen, trotz der vermutlichen Dominanz von Frauen in ihrem Umfeld. Die Menschheit hätte nicht überlebt, wenn durch die Betreuung und Erziehung von Frauen Defizite aufgetreten wären, denn das war und ist die weltweit dominante Betreuungsform! Worauf gründet sich also die immer wieder geäußerte Forderung, dass Männer in die Kita sollen? Ein moderndes Märchen, das ja politisch so korrekt ist! Berufswahl sollte nach Fähigkeiten und Interessen erfolgen, unabhängig vom Geschlecht. Und ja, die Rahmenbedingungen sollten stimmen: bessere Ausbildung, bessere Bezahlung, bessere Wertschätzung des wichtigsten pädagogischen Berufs. Dafür sollte man kämpfen!

Ute Weibler 04 März 2014, 18:19

Zusätzlich zur besseren Ausbildung und Bezahlung der Erzieherinnen ist es dringend notwendig, männliches Personal für die Kita einzustellen. Es kann nicht sein, das die Hauptbezugspersonen für die Jungen und auch Mädchen bin hin zur Lehre weiblich sind. Das setzt eine sehr einseitige Entwicklung der Kinder und Denkprozesse in Kitas in Gang. Aber warum sind so wenig Männer als Erzieher tätig? Ein Hauptgrund ist sicher die den hohen Anforderungen unangemessene Bezahlung. Davon kann man keine Familie ernähren, das hört man immer wieder. Also - weiter auf die Strasse, Unterschriften sammeln, Petitionen einreichen, Kollegen und Politiker aufmerksam machen.

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